Verfahren · VDI 2078
Kühllastberechnung
Die Kühllastberechnung ermittelt, wie viel Wärme einem Raum zufließt und wieder abgeführt werden muss. Sie besteht aus äußeren und inneren Lasten, die stundenweise über den Auslegungstag verfolgt werden — denn beide erreichen ihr Maximum nicht zur selben Zeit. Für eine schnelle Größenordnung genügt der Kühllast-Rechner; dieser Text erklärt, was eine vollständige Berechnung leistet.
Äußere Lasten
- Transmission. Wärmestrom durch Wände, Dach und Boden — U-Wert mal Fläche mal Temperaturdifferenz, zeitverzögert durch die Speichermasse des Bauteils.
- Fenster, Strahlung. Direkte und diffuse Sonneneinstrahlung durch Verglasung. Meist die größte Einzelposition, stark abhängig von Orientierung, g-Wert und Verschattung.
- Fenster, Transmission. Wärmeleitung durch den Glasaufbau selbst, getrennt von der Strahlung gerechnet.
- Infiltration. Unkontrollierter Luftaustausch durch Undichtheiten, bei dichten Neubauten klein, im Bestand relevant.
Innere Lasten
- Personen. Trockene und feuchte Wärmeabgabe je nach Tätigkeit — im Büro rund 70 W sensibel und 60 W latent pro Person.
- Beleuchtung. Anschlussleistung mal Gleichzeitigkeitsfaktor; bei LED deutlich kleiner als in älteren Auslegungen unterstellt.
- Geräte. Rechner, Bildschirme, Serverschränke, Küchengeräte — nach realer Aufnahme, nicht nach Typenschild.
- Prozesswärme. Maschinen, Öfen, Kühlmöbel mit Abwärme in den Raum.
Warum der Tagesgang zählt
Ein Ostfenster liefert seine Strahlungsspitze am Vormittag, ein Westfenster am späten Nachmittag, die Personenlast fällt in die Kernarbeitszeit, und die Transmission folgt der Außentemperatur mit Verzögerung. Wer alle Maxima addiert, erhält eine Last, die real nie auftritt. Die VDI 2078 rechnet deshalb den Tagesverlauf und nimmt das tatsächliche Stundenmaximum — bei massiven Gebäuden liegt das spürbar unter der Summe der Einzelspitzen.
Überschlag oder Berechnung?
| Situation | Angemessenes Vorgehen |
|---|---|
| Splitgerät für ein Wohnzimmer | Faustregel 60–100 W/m², Rechner genügt |
| Wohnung mit mehreren Zonen | Raumweise Überschlagsrechnung, Verteilung prüfen |
| Büro, Praxis, Ladenfläche | Berechnung nach VDI 2078, raumweise |
| Serverraum | Nach IT-Anschlussleistung, plus Redundanzkonzept |
| Nachweis gegenüber Bauherr oder Behörde | Normgerechte Berechnung durch Fachplaner |
Verwandte Rechner
Für Klimaanlagen in Wohn- und Büroräumen: Kühllast berechnen. Für Kühl- und Tiefkühlzellen gilt ein anderes Verfahren, weil dort Dämmung und Warenwärme dominieren: Kühlzelle berechnen.
Häufige Fragen
- Was ist eine Kühllastberechnung?
- Die rechnerische Ermittlung der Wärmemenge, die einem Raum oder Gebäude zugeführt wird und abgeführt werden muss, damit die geplante Raumtemperatur gehalten wird. Sie summiert äußere Lasten — Transmission, Sonneneinstrahlung, Infiltration — und innere Lasten aus Personen, Beleuchtung und Geräten, und zwar stundenweise über den Auslegungstag, weil beide nicht gleichzeitig ihr Maximum erreichen.
- Was regelt die VDI 2078?
- Die VDI 2078 beschreibt das Verfahren zur Berechnung der thermischen Lasten von Räumen und Gebäuden. Sie arbeitet mit einem thermischen Gebäudemodell, das die Speichermasse berücksichtigt: Strahlungswärme wird nicht sofort zur Kühllast, sondern verzögert und gedämpft an den Raum abgegeben. Genau das unterscheidet sie von einer statischen Überschlagsrechnung.
- Reicht eine Faustformel oder Excel-Vorlage?
- Für eine erste Größenordnung und für Angebotsprüfungen ja. Für die Ausführungsplanung nicht: Excel-Vorlagen rechnen praktisch immer statisch, ohne Speicherwirkung und ohne Tagesgang, und liefern deshalb systematisch zu hohe Spitzenlasten. Überdimensionierte Anlagen takten, entfeuchten schlecht und kosten dauerhaft mehr im Betrieb.
- Wann brauche ich eine normgerechte Berechnung?
- Bei Nichtwohngebäuden, bei Anlagen mit Nachweispflicht gegenüber Bauherr oder Behörde, bei Förderanträgen und immer dann, wenn die Anlagengröße wirtschaftlich relevant ist. Für ein einzelnes Splitgerät im Wohnzimmer wäre der Aufwand unverhältnismäßig.
- Was kostet eine Kühllastberechnung?
- Das hängt von Gebäudegröße und Detailtiefe ab und wird üblicherweise als Planungsleistung nach Aufwand oder im Rahmen der TGA-Planung abgerechnet. Belastbare Pauschalen lassen sich hier nicht nennen — holen Sie ein Angebot beim planenden Ingenieurbüro ein.